Die Geschichte
des Lübecker Doms ist aufs engste mit Heinrich dem Löwen,
Herzog von Sachsen, verbunden. Er sorgte für eine Klärung
der Machverhältnisse im Raum nördlichen der Elbe.
In unserem Bereich war Graf Adolf von Schauenburg sein Lehnsmann.
Graf Adolf betrieb eine überaus eifrige und erfolgreiche
Siedlungspolitik. Boten warben in allen Landen um Siedler
für die dünn besiedelten Gebiete. Graf Adolf hat
auch anstelle des 1138 durch die Slawen zerstörten Altlübeck
auf der günstig gelegenen Halbinsel zwischen Trave und
Wakenitz einen Handelsplatz gegründet, der wieder den
Namen Lübeck erhielt. Heinrich der Löwe konnte die
Stadt nach einer Feuersbrunst von Graf Adolf übernehmen.
Damit ist die Neugründung Lübecks im Jahr 1159 möglich
geworden. Heinrich der Löwe wurde zum großzügigen
Förderer der Stadt und ihres Handels im Ostseeraum. Bereits
ein Jahr nach der Neugründung Lübeck wurde der Bischofssitz
nach Lübeck verlegt. Heinrich der Löwe wies dem
Bischof im Süden der Stadt ein Gebiet für den Bau
eines Domes und für die Häuser der Kanoniker zu.
Zunächst wurde im Bereich des heutigen Doms eine Holzkirche
gebaut, die 1163 geweiht wurde. Dann begannen die Pläne
für die große steinerne Kathedrale, zu der 1173
der Grundstein gelegt wurde. Da man keine Natursteine in dieser
Gegend zur Verfügung hatte wählte man als Baustoff
den Backstein. Es war ein romanischer Bau. Eine kreuzförmige
Basilika. Die Seitenschiffe hatten ursprünglich nur die
halbe Höhe. Zwischen den großen Pfeilern standen
kleinere Zwischenpfeiler, die die Außenwand trugen.
1247 ist der Dom geweiht worden, Patrone sind Johannes der
Täufer und Nikolaus.
Unmittelbar darauf wurde dem Dom auf der Nordseite, zur Stadt
hingelegen, eine große Vorhalle angefügt, das Paradies,
und 1266 begann die große Erweiterung des Domes nach
Osten. Der alte romanische Dom endete etwa bei der Glaswand.
Für das größer gewordene Dom-Kapitel und die
Geistlichkeit am Dom war der Chorraum zu klein für die
Tageszeitgottesdienste, man brauchte einen großen Raum,
und so wurde dem alten Dom ein gotischer Kathedralchor angefügt.
Vom Ostchor her wurde auch der romanische Dom dem neuen Stil
entsprechend umgestaltet. Die Seitenschiffe wurden höhergeführt.
Die Wände des Obergadens wurden herausgebrochen, die
Zwischenpfeiler abgerissen. Aus der romanischen Basilika wurde
eine weite, lichte Hallenkirche. Seitenkapellen wuchsen im
Laufe der Zeit noch dazu.
Zerstörung und Wiederaufbau
In der Nacht zum Palmsonntag (29. März) 1942 brannte
die alte Hansestadt und mit ihr drei große Kirchen:
St. Marien, St. Petri und der Dom. Sprengbomben verwüsteten
den gotischen Chor. Alle Dächer verbrannten. Das an den
Süderturm anschließende Seitenschiffgewölbe
stürzte ebenso ein wie der größte Teil des
Chorgewölbes über dem Hochaltar... Die Fenster waren
zersplittert, Feuer zerstörte die große Orgel,
den größten Teil des Gestühls, den Hochaltar,
Schrankenwerke und viele andere Kostbarkeiten. Verkohlt war
der obere Teil des Triumphkreuzes und halb verbrannt der Schalldeckel
der Kanzel. Der kostbare Passionsaltar von Hans Memling (1491)
und andere Kunstwerke blieben wunderbarerweise erhalten.
Sicherungs- und Wiederaufbaumaßmnahmen kamen nur langsam
in Gang. Bis 1950 sind alle 17 gotischen Gewölbe eingestürzt.
Der Chor schien verloren.
Nach der Zerstörung der Kirchen St. marien, Dom und St.
Petri hat ,man gefragt, ob es richtig sei, dass man diese
großen Räume wiederherstellen sollte. St. Marien
ist 1951 fertig geworden! - in einer Zeit, wo man damit zu
tun hatte, für die vielen Flüchtlinge Wohnungen
zu bauen. Aber die Bürger haben Geld gesammelt, gestiftet,
um das Bild der Stadt wieder entstehen zu lassen, das Bild
der Stadt mit den sieben Türmen, und auch heute sind
Lübecker Bürger und Freunde der Stadt aufgerufen,
die alten Kirchen zu erhalten.
Beim Wiederaufbau des Domes, besonders des Chores,
wurde man an das Ausmaß der Bauzeiten des Mittelalters
erinnert. Von 1960 bis 1977 dauerte der Wiederaufbau des gotischen
Chores, 1982 wurde die Paradiesvorhalle fertiggestellt.
Doch die Langsamkeit hat auch Vorteile. So konnte ein Plan
reifen, den Innenraum so zu ordnen, wie es dem Feiern des
lutherischen Gottesdienstes entspricht. 1970 wurde der Dom
so eingerichtet, wie er heute zu sehen ist: Ein schlichter
Sandsteinaltar, nur um eine Stufe erhöht, ist dem Triumphkreuz
zugeordnet. Um den Altar gliedert sich das Gestühl kreuzförmig
in vier Blöcken. Die Gemeinde ist als Familie Gottes
verstanden, die sich um den Tisch des Herrn versammelt. Altar
und Kanzel sind einander nahegerückt, die Orgel hängt
ganz in der Nähe der singenden Gemeinde. – Das
alte Taufbecken von 1455 hat seinen Platz im ehemaligen romanischen
Chorhaupt gefunden und wird von einem Bankrund umkreist.
Eine Ausstellung im Norderturm zeigt Bilder
von dem Ausmaß der Zerstörung des Domes. Es ist
wie ein Wunder, wie viele Kunstwerke den Brand des Domes überstanden
haben.
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