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Information  >  Domus Dei, der Lübecker Dom



Dom - nennen wir diese alte Kirche - domus dei - Haus Gottes. Wir haben Dome - Kirchen - Gotteshäuser, nicht damit Gott irgendwo wohnen kann, sondern damit Menschen Orte haben, an denen sie zusammenkommen, um den Alltag zu unterbrechen, sich auf eine andere Dimension zu besinnen, um still zu werden oder sich in die Gemeinde einzufügen.
Menschen bauten Kathedralen. Sie taten es zum Lobe Gottes, sie erprobten zugleich ihr technisches Können - und sie bauten Kathedralen, weil diese Türme, die das Bild der Stadt von weitem bestimmten, der Stadt ein weithin sichtbares unverwechselbares Gesicht gaben und gemeinschaftsstiftenden Charakter haben. Menschen haben vor 825 Jahren den Lübecker Dom und die anderen Lübecker Kirchen in einer Gegend gebaut, in der vorher kaum Menschen wohnten, in Ausmaßen, die alle Erwägungen der Nützlichkeit weit hinter sich lassen.
Da wurde eine Stadt aufgebaut, eine Stadt, die sehr bald zu großen wirtschaftlichen Hoffnungen Anlaß gab und das Reich gegen Norden und Osten stärken und erweitern sollte. Aber man konzentrierte keineswegs alle Kräfte auf die Entwicklung von Hafenanlagen, Kaufmannshäusern etc, sondern ging mit einem unwahrscheinlichen Kräfteaufwand daran, diese großen Kirchen zu bauen. Die Wohnhäuser waren damals klein. Sie waren aus Holz und Lehm gebaut, aber für die Kirchen wählte man von vornherein ein anderes Material: den Backstein, da es hier im Norden ja keinen Haustein gibt. Einen Dom wollte man bauen: 90 m lang, über 30 m breit, in den Türmen 60-70 m hoch. Mit steinernen Gewölben in 20 m Höhe. Siebzig Jahre haben die Menschen daran gearbeitet bis der Dom in seiner romanischen Gestalt fertig war, sie folgten Plänen, sie hatten eine Idee. Sie bauten einen Dom, und die, die 1173 damit begonnen haben, mussten wissen, dass sie die Fertigstellung nicht erleben würden. Kaum war er 1247 geweiht, begann man 15 Jahre später mit dem Bau der Paradiesvorhalle, und wenig später begann die Erweiterung des Doms nach Osten. Kapellen wurden angefügt, Kunstwerke gestiftet, das Mauerwerk muß bis heute in regelmäßigen Abständen ausbessert werden. Fast immer steht irgendwo ein Gerüst. Ein Dom ist noch im Bau, denn er steht zugleich für die Kirche, die noch im Bau ist.
Bei Luftaufnahmen ist es am deutlichsten noch zu erkennen, dass die Baumeister damals in den Boden der noch gar nicht so stark bewohnten Stadt ein Kreuz in den Boden zeichneten, 6 Joche lang, drei Joche breit, dazu Turmbereich und Apsis. Der Lübecker Dom, ein Haus Gottes, eingezeichnet in die diesseitige Welt. Wenn man eintrat und die Gesänge hörte, tat sich eine andere, die himmlische Welt auf.

 


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